Teams und Teamentwicklung in Krisenzeiten: Was jetzt wichtig ist
In Krisen wird gespart – auch an Maßnahmen wie Teamentwicklung und Coaching. Das schlägt auf die Gesundheit. Was Unternehmen beachten sollten.
Im August war der Krankenstand bei Tesla mit 17 Prozent dreimal so hoch wie im Durchschnitt der Branche. Zwei Tesla-Chefs haben daraufhin 30 Mitarbeiter Zuhause besucht. Arbeitsrechtlich nicht zulässig. Aber es ist nicht nur das Recht: Identifikation geht verloren. Und: Kontrolle nimmt Autonomie – und das macht krank. Nur die Angst um den Job hält dann noch. Kein guter Deal.
Nicht nur Tesla macht gerade diese Erfahrung: In Krisenzeiten steigt die Krankheitsrate in Organisationen messbar an. Stress, Unsicherheit und erhöhte Arbeitsbelastung bedingen ein höheres Risiko für physische und psychische Erkrankungen. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führen arbeitsbedingter Stress und psychische Belastungen dazu, dass psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burnout zunehmen – um bis zu 50%.
Gleichzeitig werden seitens des Unternehmens oft genau die Ressourcen gekürzt, die den Mitarbeitenden helfen könnten, mit der Krise umzugehen. In Krisenzeiten fehlt es dann oft an Ressourcen für Prävention und Teamgesundheit. Budgets für Teamentwicklung, Coaching oder Präventionsmaßnahmen werden gekürzt, um kurzfristige Kosten zu sparen. An die Arbeit – anstatt darüber reden, was Krise bedeutet.
Deckstühle auf der Titanic
Zugleich führt der Stress auf allen Ebenen zu Abwehrmechanismen. Typisch ist ein Rückfall in frühere Entwicklungsstufen. Der Ton wird härter, die Notwendigkeit struktureller Veränderungen wird verdrängt. Das ebenso gestresste Führungspersonal scheut sich nicht selten vor mutigen Weichenstellungen. So werden in Krisenzeiten oft „Deckstühle auf der Titanic dekoriert“ – ein Ausdruck, der verdeutlicht, dass man sich um unwichtige Details kümmert, während das Schiff sinkt. Typisch auch: Die Lösungsideen von gestern werden recycelt, anstatt neue zu generieren. Denn letzteres kostet ebenso Zeit, die keiner einräumen will.
Die Lösungsideen von gestern werden recycelt anstatt neue zu generieren.
Anstatt das eigentliche Problem anzugehen, wird versucht, Symbole zu retten oder nach außen eine heile Welt zu zeigen. Der Fokus verschiebt sich auf Aktionismus und operative Hektik, anstatt systematisch und strategisch Lösungen zu suchen. Dieser Aktionismus erhöht die Belastung der Mitarbeitenden zusätzlich. Produktiver wird man so nicht: Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat festgestellt, dass sich die Produktivität in Teams deutlich reduziert, wenn die krankheitsbedingten Ausfallzeiten zunehmen.
Was Teams jetzt brauchen
Was Teams jetzt brauchen, ist eine Kombination aus starker Führung, klarer Kommunikation und gezielter Unterstützung. Gänzlich falsch sind leere Versprechungen und Intransparenz. Psychologische Sicherheit bedeutet keineswegs, Menschen Dinge vorzugaukeln. Es heißt sie ernst zu nehmen, auch in ihrer Fähigkeit den Umgang mit Unsicherheit zu lernen. Dabei ist es entscheidend, offen über Probleme und Herausforderungen zu sprechen.
Und auch darüber, dass sich Führung unterschiedlichen Zeiten anpassen muss – und in Krisen typischerweise steuernder auftritt. Einsparungen müssen nicht nur angeordnet, sondern erklärt werden. Eine Mitsprache senkt den Widerstand. Ganz wichtig ist zudem die Affektbearbeitung. Denn die negativen Affekte steigen. Bleiben sie, verstärken sie sich und münden bei einigen in Polarisierung und Hass, bei anderen in Krankheit und Wegducken.
Wenn man Menschen etwas wegnimmt, so ist nachhaltiger Frust vor allem dann garantiert, wenn die damit verbundenen Gefühle nicht verarbeitet werden können. Warum ist diese Affektbearbeitung nötig? Gerade Menschen weit weg von wirtschaftlichen Entscheidungen fühlen sich durch Kürzungen oft geradezu bestraft. Reden heißt hier: Erklären, verständlich machen. Gerade und auch auf der direkten Teamebene.
Raum dafür gibt es in der Teamentwicklung. Auch Coaching kann helfen, die Belastung subjektiv zu senken. Führungskräfte wiederum sollten ihren Blick für die, in Krisenzeiten zunehmenden, strukturellen Konflikte schärfen. Psychische Belastungen müssen erkannt werden. Deshalb ist es auch wichtig, sensibel für die vielfältigen Reaktionen der Mitarbeiter und ihre Verhaltensveränderungen zu sein.
Sieben Tipps für den Umgang mit Krisen in Teams
- Klar und auf vielen Ebenen kommunizieren: Offene, transparente und ehrliche Kommunikation ist in Krisenzeiten entscheidend. Es gilt, Unsicherheiten ansprechen und kontinuierlich Updates geben, auch wenn es keine klaren Antworten gibt.
- Verständnis für Belastung zeigen: Jede Krise betrifft Menschen unterschiedlich. Einige kommen gut damit zurecht, andere leiden mehr unter Stress und Unsicherheit. Es ist wichtig, für diese Unterschiede Verständnis zu zeigen, zuzuhören und Unterstützung anzubieten.
- Über die Krise reden und Perspektiven erweitern: Neue Sichtweisen verändern auch die eigene. Öfter mal Inspiration außerhalb der gewohnten Teamgrenzen suchen und mit ganz anderen Menschen sprechen. Wer systemische Zusammenhänge versteht, fühlt sich nicht mehr so stark selbst betroffen.
- Sinn stiften: Wenn klar ist, welche Bedeutung ihre Arbeit auch zur Bewältigung der Krise hat, trägt das zur Motivation bei. Wer dagegen Sinnlosigkeit in der Tätigkeit empfindet, wird schneller krank. Oft geht es auch um Erneuerung von Jobprofilen oder rollenbasiertes Arbeiten.
- Rollen und Verantwortlichkeiten klären: In Zeiten der Unsicherheit ist es umso wichtiger, dass alle im Team ihre Rolle und Aufgaben klar verstehen. Und, dass diese den Stärken und Leistungsunterschieden entsprechen.
- Kreativ mit Ressourcen umgehen: Auch wenn Budgets knapp sind, finden sich Möglichkeiten. Manchmal ist eine offene Reflexion oder ein gemeinsamer Spaziergang viel wertvoller als ein teurer Ausflug.
- Beruf und Privatleben trennen: Die Vermischung führt eben auch dazu, dass Belastungen hin- und hergetragen werden. Auch für Unternehmen ist es gesund, wenn sie den Mitarbeitern ihre privaten Räume lassen. Die vielfache Vermischung der Ebenen im New-Work-Boom ist eher schädlich.
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