Neue Organisationsformen: Business-Ökosysteme – der neue Hype

Spotify ist out. Und auch die hyperformalisierte Holakratie hat sich vielfach als Veränderungsverhinderer entpuppt. Und nun? Business-Ökosysteme sind das nächste Versprechen an das lösungssuchende Mangement. Was steckt dahiner?

Wie organisieren wir uns so, dass wir möglichst schnell reagieren und maximalen Wert stiften? Diese Frage treibt alle Organisationen um. Antworten suchen sie am liebsten bei jenen Unternehmen, die etwas geschafft haben, was Vorbildfunktion hat.

Nachteile pyramidialer und funktionaler Organisationsformen

Nach wir vor kämpfen viele Organisationen mit den Nachteilen pyramidialer und funktionaler Organisationsformen. Sie sind zu langsam, antizipieren Veränderungen zu schleppend. Innovation versandet. Agile Arbeits- und Organisationsmethoden produzieren neue Probleme. Sie führen zu aufwändigerer Kommunikation und überfordern durch Formalisierung der Prozesse. Bei einigen Unternehmen sind auch unklare Verantwortlichkeiten eine Folge. Anstatt schneller zu werden, wird man langsamer.

Unternehmerisches Denken und Handeln dringend gesucht

Was jetzt fehlt ist zweierlei: Klare Weichenstellung – und unternehmerisches Denken und Handeln. Die neue Sehnsucht nach Klarheit spiegelt sich in einem neuen Vorbild, das im Grunde schon alt ist: Das chinesische Elektronik-Unternehmen Haier. Ja, die marktkapitalistische Idee kommt ausgerechnet –  aus China.

Haier hat ein multinationales Unternehmens-Ökosystem aufgebaut, das die Problematik der schwindenden Innovationskraft durch Zentralisierung offenbar erfolgreich löst. So erfolgreich, dass der Marktanteil in Deutschland von 2020 auf 2021 um 50 Prozent gesteigert werden konnte. In Europa ist Haier inzwischen mit 7,2 Prozent Nummer 5. Hier führt Bosch mit rund 20 Prozent.

Das Unternehmen bietet eine Plattform für Gründungen. Jeder kann hier unternehmerisch tätig werden und unter dem Orchestrator Haier eine Produktidee realisieren. So entstehen Startups, die keinerlei Vorgaben haben, außer dem Kunden zu dienen und erfolgreich zu sein. Und genau hier liegt auch der Unterschied zum Franchising.

Mikrounternehmen im Unternehmen

Es handelt sich also ein Lösungsökosystem, das Leistungen eigenständiger Unternehmen um eine Kernleistung herum bündelt. Kulturtechnisch heißt das „Rendanheyi” und ist eine Unternehmensphilosophie, die von Zhang Ruimin, dem CEO von Haier, auf das Unternehmen zugeschnitten wurde. Die Grundidee eigenverantwortlicher “Mikro-Unternehmen”. im Unternehmen ist an sich jedoch jedoch nichts Neues. Wir finden das auch im Technologieumfeld oder bei strategischen Partnerschaften, in der stärksten unternehmerischen Ausprägung auch beim Franchising.

Die verschiedenen Geschäftseinheiten sind aufeinander abgestimmt und teilen Ressourcen, Fähigkeiten und Wissen. Zentrale Dienstleistungen müssen sich am Markt bewähren. Jedes Startup kann sich auch für externe Anbieter entscheiden. Was sich nicht verkauft, wird eingestellt.

Die Unternehmenskulturen in den Mikrounternehmen können sich unterscheiden, denn es gibt keine Vorgaben, wie man führt, kommuniziert oder sich organisiert. Hier unterscheidet sich Haier etwa auch vom niederländischen Pflegedienstleister Buurtzorg, das zwar dezentral auf selbstorganisierte Einheiten setzt, aber bestimmte normative Kommunikationsrahmen stellt.

Ist das agil?

Wenn Agilität die Fähigkeit eines Unternehmens ist, auf Veränderungen schnell und erfolgreich zu reagieren, ist alles agil, was dazu dient.

Bevor aber der nächste Trend durchs Dorf getrieben wird, bleibt die Frage, für wen eine solche Organisationsform überhaupt Vorbild sein kann.

Dazu ein paar Fragen, die Sie sich stellen könnten:

  • Wo braucht es bei Ihnen unternehmerisches Denken, Innovationsgeist, Erfolgsorientierung und Marktblick?
  • Wie ist es derzeit: Welche Strukturen ermöglichen eine schnelle Reaktion? Und welche verhindern sie?
  • Ist der Handlungsspielraum für die Akteur richtig eingestellt – oder bräuchte es mehr?
  • Welche Probleme löst eine Dezentralisierung? Und welche schafft sie?
  • Wo braucht es Zentralisierung wirklich? Und wo Dezentralisierung?

Letztendlich ist auch die Frage, woher unternehmerisch denkende Menschen kommen sollen. Solche Menschen sind extremere Persönlichkeiten – und typischerweise unabhängiger.

Sie machen die Dinge, um erfolgreich zu sein. Dieser Typ findet sich eher in Startups und Selbstständigkeit – und weniger in Unternehmen. Und er oder sie fragt sich sicher, für was und wen er seine Arbeitskraft einsetzt.

Und so ist es wie mit allen gehypten Modellen: Sie deuten auf etwas, was vorher fehlte. In dem Fall ist es der unternehmerische Blickwinkel, den wir gerade jetzt dringend brauchen.

Aber sie sind immer mehr Anregung zum Selber- und Weiterdenken als eine Blaupause.

 

Foto von Bruno Scramgnon

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