Mitschwingen und Intervenieren

Wie du Resonanz in der Gruppendynamik nutzt

Du spürst, da entsteht was. Die Menschen öffnen sich, lassen sich ein. Sie sprechen offen miteinander befreit. Good Job!

Teamgestaltende sind immer auch Resonanzgebende. Der Begriff “Resonanz” hat in unterschiedlichen Feldern eine Heimat. Im Lateinischen bedeutet er „auf etwas reagieren“. In der Physik beschreibt er ein Phänomen, bei dem ein System dann am stärksten schwingt, wenn es in der Frequenz seiner natürlichen Schwingung angeregt wird.

In der Gruppendynamik beschreibt es die Resonanz, die ein Beobachter auf ein System spürt – und eventuell auch äußert. In der Organisationsentwicklung sind „Resonanzgruppen“ verbreitet. Deren Grundidee ist, dass sie in Berührung kommen mit dem, was in einem Veränderungsprozess geschieht.  Und über das Mitschwingen reflektieren.

Resonanzgruppen sind als kleine Murmelgruppen auch in Workshops beliebt. Murmelgruppen sprechen etwa im Anschluss an einen Impuls über das, was dieser ausgelöst hat und/oder ihre Gedanken dazu.

Wechselseitigkeit

Klar ist: Bei Resonanz geht es immer um Wechselseitigkeit. Und auch um die Einbeziehung des Körpers. Resonanz ist nichts Statisches, sie verändert sich dynamisch. Sie ist auch dann da, wenn sie nicht in Worte gefasst werden kann.  Aufstellungen sind eine Form von Resonanz auf räumliche Erfahrungen. Resonanz spielt das Unbewusste an.

Gegenwart

Feedback als Form der Resonanz ist dagegen zielgerichteter. Gleichwohl kann auch Feedback nonverbale Elemente beeinhalten. Das unausgesprochene Feedback kann deutlicher ausfallen als das ausgesprochene. Während Resonanz gegenwartsbezogen ist, kann sich Feedback im bewussten Prozess auf die Vergangenheit und Zukunft beziehen: „Ich habe dich im letzten Spring erlebt als…“ oder „Ich wünsche mir, dass du in Zukunft noch öfter deine wertvollen Ideen einbringst.“

Du spürst, da steckt was fest. Die Menschen sind verkeilt in eine Spirale aus negativen Gedanken und Gefühlen.  Wirst du deine Resonanz ansprechen?

Dann gibst du ein wahrnehmendes Feedback: Dieses spiegelt, was du gesehen, gehört und gefühlt hast. Wohlwissend, dass dies durch deinen eigenen Trichter gegangen und dort sortiert worden ist.

Wahrnehmendes Feedback ist die verbalisierte Resonanz. Es stellt das eigene Erleben in den Vordergrund. Es ist gegenwartsbezogen und wechselseitig. Dieser Wahrnehmungs- und Ausdruckskanal braucht Training. Um ein guter Spiegel sein zu können, muss man sich erstmal bewusst sein, dass wir Spiegel sind.  Es braucht… Resonanzerfahrung.

Resonanzerfahrung

Kinder erleben diese Resonanz in ihren Beziehungen mit Eltern, Erziehern und Gleichaltrigen. Viel Resonanz- ist zugleich auch eine sichere Bindungserfahrung.

Sicher in der Resonanz erlernen wir neue Fähigkeiten und sind neugierig. Wir werden offener für neue Erfahrungen und sind eher bereit, Herausforderungen anzunehmen. Entwicklung wird möglich. Doch nicht nur Kinder machen Resonanzerfahrungen, auch Erwachsene. Es kommt dabei nicht selten vor, dass sie dabei die Erfahrungen der Kindheit wiederholen. Das beeinflusst die eigene Spieglungsfähigkeit. Der Spiegel wird trübe.

Emotionen in der Gruppe

In der Gruppendynamik wird all das offensichtlich. Hier bezeichnet Resonanz die Art und Weise, wie sich die Energie, Emotionen und Ideen innerhalb einer Gruppe verstärken und ausbreiten. Wie sie sich in Macht und Ohnmacht kanalisieren, in Nähe und Distanz oder auch Zugehörigkeit und Außenstehen. Wenn Teamgestalter nicht Teil des Teamsystems sind, sind sie automatosch Grenzgänger. Für sie ist das Bewusstsein der eigenen Position im gruppendynamischem Raum besonders wichtig. Es gilt weder eine Machtvakuum zu kompensieren noch sich zu nah und dich hineinzuspiegeln.

Dies zu beobachten und der Gruppe des zurückzumelden ist eine wichtige Kompetenz. Oft werden wir gefragt, was die praktische Relevanz des Johari-Fensters ist: Genau das.

Resonanz verbalisieren

„Wirst du deine Resonanz aussprechen?“

Wahrscheinlich eher, wenn du dich mit dir selbst und den anderen sicher fühlst. Du selbst bist eben die wichtigste Intervention. Und wahrscheinlich eher, wenn du darin geübt bist, das zu tun. Und deinerseits in diesem Tun wiederum Resonanz erfahren hast. Das übt auch, die eigenen Emotionen von denen der anderen zu trennen. Und fällt erheblich leichter, wenn du nicht Teil des Gruppensystem bist. Das spricht dafür, diese Rollen extern zu besetzen.

Resonanz als Kettenreaktion

Du spürst, das alles ist ansteckend. Einer fängt an und die anderen machen mit. Kannst du doch darauf verlassen?

Es sollen Ideen entwickelt werden, einfach mal ein offener Austausch gestartet? Vielleicht bist du unsicher, ob das gut geht. Du kennst deine Pappenheimer… oder auch nicht?

In Gruppen braucht es nur einen Anstoß. Du kannst dir sicher sein, einer wird den machen. Auch ohne dass du dafür eine umfassende Anleitung gibst (die manche verlangen).

Es wird sich eine Welle der Kreativität entfalten, wenn das, was zu tun ist, positiv „geframt“ ist. Das heißt: Der auch räumliche Rahmen und die Atmosphäre stimmt.

Wie du Resonanz in Gruppen einbringst:

  1. Unterscheide Resonanz und Feedback: Resonanz kennt nur die Gegenwart! Feedback auch Vergangenheit und Zukunft.
  2. Trenne Resonanz und Feedback wie das Gelbe vom Ei: In vielen Kontexten ist Feedback negativ besetzt. Sag was Resonanz bedeutet und dass es „nur“ deine eigene Schwingung ist, ohne Anspruch auf Wahrheit.
  3. Kläre Rollen und deine Aufgaben – auch über die negative Definition (was gehört nicht dazu): Gehört das Beobachten zu deinen Aufgaben? Was beinhaltet es – und was nicht.
  4. Sehe den engen Zusammenhang von Sprache und Emotion: Ein motivierender Auftakt kann einen ganz anderen Rahmen schaffen als eine triste Einführung in die Jahresbilanz. Metaphern und Bilder beflügeln.
  5. Beziehe alle mit ein: Teamgestalterinnen sollten sicherstellen, dass alle gesehen und gehört werden. Denke dabei daran, dass es in jeder Gruppe Menschen mit wenig positiver Resonanzerfahrung gibt. Das sind die Teilnehmer, die du vielleicht als schwierig ansiehst. Manche sind nur unsicher.
  6. Sehe dich wie ein Regler, der etwas verstärkt oder mildert. Euphorie am Anfang kann ruhig etwas auf den Boden kommen., wenn das Bewusstsein für den Alltag dazukommen soll.
  7. Arbeite immer von der Mitte aus: Das betrifft deine Sprache, deine Ansprache und auch die Art und Weise mit der Gruppe oder Teilen davon in Resonanz zu gehen.

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