Die Krümelmonsterstudie – und warum es hier nicht um Macht geht

Die Cookie Monster Study oder: Wie wir Studien passend machen

Manche Studien machen weltweit Karriere: Sie landen in vielen Medien, werden ungelesen zitiert und finden Eingang in Vorträge von Speakern. Sie verbreiten sie sich oft nicht aufgrund ihrer wissenschaftlichen Qualität, sondern weil sie ein Stereotyp unterstreichen. Ein Beispiel ist die Krümelmonsterstudie, auch Cookie Monster genannt. Angeblich sagte sie aus, dass Macht hemmungslos und unhöflich macht: Wer Macht hat nimmt den letzten Keks. Doch die Studie wird seit über 20 Jahren immer wieder falsch zitiert. In Wahrheit geht es um Frauen an der Macht.

Wir nehmen uns bei Teamworks immer mal wieder bekannte Studien vor und beleuchten sie kritisch wie etwa unser Beitrag von “Milgram bis obbers Cave: 5 klassische Experimente und was sie heute wert sind” zeigt.. Dieses Mal ist die sogenannte Keksmonsterstudie dran. Sie stammt ursprünglich aus dem Jahr 1998, wurde aber erstmal 2003 veröffentlicht. Professor Dacher Keltner von der Berkeley Universität erlangte damit medialen Ruhm als führenden Forscher in der Sozialpsychologie. Komisch, dass Keksmonster in seinem Wikipedia-Eintrag nicht erwähnt sind. Oder etwa nicht?

Worum geht es in der Studie?

Wer nimmt den letzten Keks? Und krümelt dann auch noch unbeschwert und rücksichtslos vor sich hin? Die Studie von Dacher Keltner sowie anderen Forschern (2003) nahm für sich in Anspruch, die Auswirkungen von Macht auf diejenigen zu untersuchen, die sie innehaben.

Das Experiment ging so:

In studentischen Gruppen von drei Personen wurde eine dieser Personen zufällig zum Leiter ernannt. Die Gruppen bekamen Plätzchen, wobei stets ein Keks auf einem Teller übrig blieb, nachdem jeder Teilnehmer ein paar erhalten hatte. Unklar ist die Zahl der Kekse, die Angaben schwanken zwischen vier und fünf. Die Forscher beobachteten nun, dass die “mächtigeren” Personen – die zum Gruppenleiter ernannten also – mit größerer Wahrscheinlichkeit das letzte Plätzchen nahmen. Angeblich zeigten sie weitere Verhaltensweisen, die auf einen verstärkten Ausdruck von Macht hindeuten, wie zum Beispiel eine selbstbewusstere Körperhaltung und lauteres Sprechen.

Die Studie erschien erstmals 2003 in Psychological Review. Doch die ursprünglichen Daten und Methoden sind schwer zugänglich. Verschiedene Aspekte der Studie, wie eben die genaue Anzahl der Kekse und die Konsistenz der Ergebnisse, wurden in späteren Diskussionen unterschiedlich dargestellt. Ging es z.B. um vier oder fünf Kekse? Das würde einen entscheidenden, nicht nur mathematischen Unterschied machen, wenn es um drei Personen geht…

Kritik an der Krümelmonster Studie

In der akademischen Welt hatte die Studie anders als im Mainstream keinen großen Einfluss. Laut Google Scholar wurde sie nur 26 Mal zitiert.

Das von eremetierten Psychologieprofessoren betriebene Portal “Introduction to the new Statistics” interpretiert das so: Es handele sich um eine einflussreiche Erinnerung an eine Studie. Die Studie selbst sagt etwas anderes aus, als das, was zitiert wird. Die Website der Professoren zeigt eine Mail des Forschers Dacher, die aussagt, dass die Aussage sich auf Frauen bezog – nicht auf Männer. Es waren die Frauen, die nach der Auswahl zur Leiterin selbstbewusster zum letzten Keks griffen. Die dazu gehörige Grafik zeigt, dass der Effekt nur für das weibliche Geschlecht deutlich ausfiel.

Und nun raten Sie mal, warum genau das von den Meiden nicht zitiert wurde. Faulheit? Die Unlust, Original-Texte zu lesen? Sensationsheischerei? Alter-weißer-Mann-Bashing? Oder weil der eine vom anderen abschreibt?

Wir bei Teamworks bemühen uns, das nicht zu tun. Folge uns bei Linkedin und abonniere unseren Newsletter.

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