Aufstellungen in der Teamentwicklung

Wieso, weshalb, warum, wann und womit?

Können wir unser Team im Rahmen der Teamentwicklung aufstellen? Oft werden wir gefragt, ob und wie man Aufstellungen mit dem Team nutzen kann. Welche Chancen und Risiken birgt eine solche Aufstellung? Und welche Formen gibt es?

Mit Aufstellungen lassen sich Beziehungen und Strukturen eines Teams visualisieren. Und mehr noch als das: Wir können diese damit auch erfahrbar machen. Der große Vorteil: Das Ganze macht langatmige Beschreibungen obsolet. Es gilt: Ein Bild sagt viel mehr als 1.000 Worte, die ohnehin jeder anders interpretiert.

Aber was passiert da überhaupt?

Aufstellungsarbeit umfasst Methoden, bei denen die Mitglieder und/oder Elemente eines Systems – Familie, Organisation, Unternehmen, Konflikt – positioniert und in Beziehung gesetzt werden. Auch abstrakte Elemente wie das Teamziel oder der Purpose oder der Konflikt können als Element aufgestellt werden. Wie nah stehen die einzelnen Elemente beieinander. Sind sie einander zugewandt oder abgewandt? Wo schauen sie? Was oder wer steht im Weg? Sind Abstände groß oder klein?

Aufstellungen in der Teamentwicklung und Teamaufstellungen

Dabei sollten wir unterscheiden: Aufstellungen in der Teamentwicklung und Teamaufstellungen. Aufstellungen in der Teamentwicklung sind eine Intervention, die ganz unterschiedlich aussehen kann. Es kann beispielsweise eine konkrete Situation zwischen Teilteams aufstellt werden. Weiterhin ist es möglich, dass Teammitglieder ihre Beziehung zur Organisation aufstellen oder andere Teilaspekte visualisieren.

Bestimmte Aufstellungsformen wie das Tetralemma oder die Glaubenspolaritätenaufstellung können ebenfalls hilfreich sein. Aufstellungen lassen sich auch mit anderen Methoden verbinden. In einem vertrauten Team können Mitglieder ihre eigenen “inneren Teams” im Rahmen der Teamentwicklung mit Figuren aufstellen und mit Kollegen besprechen. In dem Fall beschäftigt man sich mit den einzelnen Teammitgliedern und nicht mit dem Team insgesamt.

Teamaufstellungen sind eine weitere und andere Möglichkeit: Hierbei wird das Team selbst aufgestellt. Es kann sich um das Team insgesamt handeln – etwa in Abgrenzung zu anderen Einheiten in der Organisation. Oder aber auch um eine Aufstellung der einzelnen Teammitglieder, verbunden mit Fragen wie „Wie siehst du uns als Team derzeit?“

Personenaufstellung? Fingerspitzengefühl und Prinzipien

Die Aufstellung von Teammitgliedern durch das Team selbst empfehlen wir nur in besonderen Fällen.

Eine Personenaufstellung setzt nämlich voraus, dass eine Person involviert ist – und die anderen nicht. Dabei bringt diese Person ein Thema ein und bestimmt, angeleitet vom Ausbildungsleiter, was und wie aufgestellt wird. Sie wählt dann einen Stellvertreter, der die Dynamiken erkundet. Nach einer gewissen Zeit kann dieser durch die aufstellende Person abgelöst werden.

Dies macht eine Teamaufstellung sehr besonders, denn alle sind mehr oder weniger in einen Fall involviert sind. Wir empfehlen daher, eine Teamaufstellung mit Fingerspitzengefühl, wohlformulierten Fragen und anhand von Prinzipien zu gestalten.

Die Prinzipien, die wir nutzen sind zum Beispiel:

  • Externalisierung: Jeder wird von anderen aufgestellt, nicht von sich selbst.
  • Wechsel innerhalb der Aufstellung: Es kann zu Wechseln in den repräsentierten Positionen kommen.
  • Mehrere Repräsentanten: Jede wichtige Position wird von mindestens zwei Personen dargestellt.

Diese Konstellation macht bei individuellen Fragestellungen Sinn und braucht viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl seitens des Aufstellungsleiters. Eine negative Aufstellungserfahrung kann traumatisch sein. Da es hierbei vielfach um persönliche Themen geht, ist das Unternehmen meist nicht die geeignete Umgebung.

Figuren aufstellen: Viele Möglichkeiten

Im Zusammenhang „Team“ ist diese Art der Aufstellung auch gar nicht praktikabel. Eine sinnvollere Aufgabenstellung für die Teamentwicklung ist, dass jeder sein eigenes Bild von der Teamkonstellation einbringt. Die Fragestellung ist dann eine gemeinsame.  Genutzte Figuren können klassische Aufstellungsfiguren sein oder Alternativen wie Lego, Playmobil, Pfeifenreiniger, Filzkugeln oder Knöpfe. Mit Symbolen lassen sich auch komplizierte Organisationsstrukturen und Prozesse anschaulich darstellen.

Warum Aufstellungen in der Teamarbeit?

Warum Aufstellung? Unserer Erfahrung nach kann eine Visualisierung mit Figuren Strukturen und Beziehungen sichtbar machen, die ähnlich oder auch unterschiedlich wahrgenommen werden. So kann sich eine Person als Außenseiter fühlen – in der Sichtweise der anderen ist sie aber eine dominierende Teamkraft. Das kann ganz neue Blickwinkel öffnen.

Wir können sehen, wie die Teammitglieder die Beziehungsdynamiken sehen und diese dadurch besprechbar machen. In diesem Fall wäre die Aufgabenstellung: Jeder für sich erstellt mit Figuren ein Bild, wie er das Team sieht. Dabei positioniert er die Figuren und sich selbst intuitiv. Anschließend wird über die Bilder gesprochen.

Der Aha-Effekt ist meist sicher, Überraschungen gehören aber auch dazu. Selbst die Rolle der Führungskraft kann plötzlich klarer werden. Steht sie vor dem Team oder außen vor? Ist sie mit halbem Bein drin oder draußen? Die Nähe oder Distanz sowie auch das Machtgefälle zwischen Mitgliedern kann auf funktionale und dysfunktionale Muster hinweisen.

Eine Teamaufstellung kann erhellend, aber auch berühren. Die Visualisierung sorgt dafür, dass sich Bilder stark einprägen. Das macht die Effekte nachhaltig. Elefanten im Raum kommen so ziemlich sicher ans Tageslicht. Insofern erfordert die Auswertung eine erfahrene Moderation. Die Aufstellung sollte nicht aus dem Team heraus gemacht werden. Der Rollenkonflikt wäre hier offensichtlich.

Das eine ist es, Dinge zu zeigen. Und etwas ganz anderes: Diese auch anzusprechen und einen fruchtbaren Dialog zu entspannen. Mitunter gilt es auch Emotionen aufzufangen und produktiv zu lenken. Neben der Moderatorin braucht es deshalb Teammitglieder, die mit den gewonnen Erkenntnissen umgehen können.

Sie eignet sich, anders als etwa eine Glaubenspolaritätenaufstellung, nicht für Gruppen.

Die Anwendungsbereiche von Aufstellungen in der Teamentwicklung sind vielfältig.

Einige Anwendungsbeispiele:

  • Standortanalysen erstellen.
  • Zielbilder entwickeln.
  • Die Beziehungen der Teammitglieder reflektieren.
  • Kommunikationsstrukturen sichtbar machen.
  • Elefanten im Raum hervorholen.
  • Die Ausrichtung auf das Teamziel zeigen.
  • Die Beziehungsdynamik in Verbindung mit einem Konflikt darlegen.
  • Handlungsoptionen bei komplexen Entscheidungsprozessen sichtbar machen.
  • Die Auswirkung von Umstrukturierungen oder Neuausrichtungen verdeutlichen.

Die Aufstellung in der Teamarbeit sollte natürlich zu der aktuellen Herausforderung passen und ist kein Selbstweck. Fragen, die bei der Klärung helfen:

  • Worum geht es? Warum wollen wir aufstellen? Beispiel: Wir wollen eine Standortanalyse als Basis für die weitere Teamentwicklung.
  • Sind alle damit einverstanden? Besteht die Bereitschaft und der Wille zur offenen Reflexion? Können wir erwachsen mit allem umgehen, was passiert?
  • Welche Form der Aufstellung wollen wir wählen und warum diese?
  • Wer und was wird aufgestellt?
  • Wollen wir Elemente wie das Teamziel nutzen?
  • Online oder Präsenz?
  • Wollen wir das Ganze in eine Teamentwicklungsmaßnahme integrieren?
  • Wer moderiert uns?

Die Methode der Teamaufstellung eignet sich auch, um im Nachhinein auf eine Team-Situation zu blicken. Dann ist es aber ein individueller Blick etwa im Rahmen einer Fallberatung. Die visuelle Beschäftigung kann zu neuen Einsichten führen: Welche Veränderung wäre möglich gewesen? Was haben wir gesehen, was nicht?

Wir arbeiten in unserer Ausbildung TeamworksPLUS auch mit Aufstellungen in der Teamarbeit. Wer in das Thema eintauchen möchte, kann dazu einen separaten Kurs „Aufstellungen in der Teamentwicklung“ bei uns buchen.

Beitragsbild mit KI erstellt

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